in

Zahl der Todesopfer durch Hochwasser in Rheinland-Pfalz auf 128 gestiegen

Copyright AFP/Archiv CHRISTOF STACHE

Mehr als eine Woche nach dem verheerenden Hochwasser in Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Toten dort auf 128 gestiegen. 155 weitere Menschen werden weiterhin vermisst, wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Donnerstag in einer Sondersitzung des Innenausschusses gemeinsam mit dem Klimaauschuss und dem Haushaltsausschuss in Mainz sagte. 764 Menschen wurden demnach verletzt. 62 der Toten sind nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) bislang identifiziert worden.

Dreyer bezeichnete das Hochwasser als „nie da gewesene Katastrophe“. Rheinland-Pfalz sei Hochwasser gewohnt, doch dieses übersteige die bisherigen Erfahrungen. Die Flutwelle sei Betroffenen zufolge stellenweise mehr als acht Meter hoch gewesen. „Viel zu viele Menschen konnten nicht gerettet werden“, sagte Dreyer. Der Wiederaufbau werde vielerorts „sehr lange dauern.“ Das ganze Ausmaß der Katastrophe werde erst in einigen Wochen sichtbar sein. „Mir gehen die Bilder nicht mehr aus dem Kopf“, sagte Dreyer.

Bei allem Leid zeige die Katastrophe, dass Rheinland-Pfalz zusammenstehe. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist einfach überwältigend“, sagte Dreyer. Auf dem Spendenkonto des Landes seien bislang mehr als 8,5 Millionen Euro eingegangen. 

Landes-Klimaschutzministerin Anne Spiegel (Grüne) kündigte ein Förderprogramm für die langfristige Instandsetzung der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung an. Eine funktionierende Wasserversorgung sei elementar für die Menschen vor Ort, sagte sie vor den Abgeordneten. Wichtig sei, dass „die Hilfe schnell und unbürokratisch dort ankommt, wo sie gebraucht wird“. Empfänger des Fördergeldes sollen Verbandsgemeinde, Städte oder Landkreise sein.

In einer ersten Bilanz der Hilfsbemühungen des Deutschen Roten Kreuz (DRK) sagte Präsidentin Gerda Hasselfeldt einen langen Einsatz voraus. „Wir stellen uns darauf ein, dass die Menschen in den betroffenen Gebieten noch monatelang auf Hilfe angewiesen sind“, erklärte sie. Mehr als 3000 Helfer aus ganz Deutschland seien in den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Beim DRK seien bislang mehr als 15 Millionen Euro an Spenden eingegangen. 

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen stellt unterdessen 200 Millionen Euro Soforthilfe für die Flutopfer bereit. Das  am Donnerstag vom Landeskabinett beschlossene Paket sieht unter anderem eine erste finanzielle Notüberbrückung von bis zu 3500 Euro je Haushalt vor, etwa um Kleidung oder andere dringend benötigte, alltägliche Dinge zu ersetzen. Die Zahl der Toten in NRW liegt weiterhin bei 47. Damit kamen bei dem Hochwasser in beiden Bundesländern zusammen mindestens 175 Menschen ums Leben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte am Donnerstag an, die beschlossene Bundeshilfe von 200 Millionen Euro aufstocken zu wollen, wenn der Betrag nicht ausreichren sollte. „Der Sachschaden muss zwar noch festgestellt werden, aber er ist immens“, sagte sie in Berlin. 

Zum Wochenende muss laut Deutschem Wetterdienst erneut mit Gewittern und starken Regenfällen gerechnet werden. Dabei besteht am Samstag zumindest örtlich auch Unwettergefahr durch kräftige Niederschläge, Hagel und Sturmböen. Davon betroffen sind unter anderem auch die Katastrophengebiete im Westen. So werden in Rheinland-Pfalz tagsüber einzelne kräftige Gewitter erwartet.

Quelle: AFP

Gigantische Trümmermengen in Hochwassergebieten bringen Entsorger an Grenzen

Merkels nüchternes Fazit nach 16 Jahren: "Die Welt ist, wie sie ist"