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Weiter Uneinigkeit in Glasgow über Hilfen wegen klimabedingter Schäden

Copyright AFP John MACDOUGALL

Klimabedingte Schäden und Verluste insbesondere in ärmeren Ländern sind zum Auftakt der zweiten Woche der UN-Klimakonferenz in Glasgow in den Blickpunkt gerückt. Eine am Montag veröffentlichte Studie mit Beteiligung der Berliner Humboldt-Universität (HU) legt dar, dass arme Staaten drastische klimabedingte Wirtschaftseinbrüche zu befürchten haben. Die Bundesregierung sagte weitere Hilfen für die Anpassung armer Länder an den Klimawandel zu, zeigte sich hinsichtlich Hilfen bei bereits eingetretenen Schäden jedoch zurückhaltend.

Bei der derzeit zu erwartenden Erderwärmung um 2,9 Grad bis zum Jahr 2100 drohe den 65 untersuchten armen Ländern und kleinen Inselstaaten bis 2050 im Schnitt ein Rückgang ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 19,6 Prozent, heißt es in der Studie, die von der Klima-Analytikerin Marina Andrijevic von der HU Berlin koordiniert wurde. Bis zum Jahr 2100 sei mit einem Rückgang von 63,9 Prozent zu rechnen.

Sollte die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden können, läge der BIP-Verlust durch den Klimawandel laut der Studie im Durchschnitt bei diesen Ländern noch immer bei 13,1 Prozent bis 2050 und bei 33,1 Prozent bis zum Ende des Jahrhunderts. Besonders stark betroffen ist demnach Afrika.

Ihre im Auftrag der Nichtregierungsorganisation Christian Aid erstellte Studie zeigt aus Andrijevics Sicht, „dass die politischen Entscheidungen, die wir jetzt treffen, entscheidend für die Vermeidung weiterer Schäden sind“. UN-Generalsekretär António Guterres kritisierte, für den Klimawandel besonders anfällige arme Staaten seien „die ersten, die leiden, und die letzten, die Hilfe bekommen.“

Das Bundesumweltministerium kündigte an, seine Unterstützung für den internationalen Anpassungsfonds um 50 Millionen Euro auf 440 Millionen Euro aufzustocken. Der Klimawandel sei „eine solche Realität geworden, dass Klimaanpassungsmaßnahmen unabdingbar sind“, sagte Umwelt-Staatsskretär Jochen Flasbarth in Glasgow. Der Chef des Anpassungsfonds, Mikko Ollikainen, lobte Deutschland als „den größten und einen der beständigsten Unterstützer“ des Fonds.

Der für Klimaschutz zuständige Abteilungsleiter im Bundesentwicklungsministerium, Jürgen Zattler, kündigte an, sein Ministerium werde seinerseits am Dienstag ein Versprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über 100 Millionen Euro zusätzlich für Anpassungshilfen mit einer formellen Zusage umsetzen. Das Geld fließe in einen Fonds für die Anpassung der am wenigsten entwickelten Länder (LDC) an den Klimawandel, den sogenannten LDCF. 

Der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig erklärte, Deutschlands Hilfsgelder seien „richtig und wichtig“. Da es sich bei den Zusagen aber um Mittel innerhalb des übergeordneten Ziels der Bundesregierung handele, die Haushaltsmittel für Klimafinanzierung bis 2025 auf sechs Milliarden Euro jährlich anzuheben, brächten die Zusagen vom Montag die Industrieländer nicht näher an ihr Versprechen heran, die Entwicklungsländer mit jährlich 100 Milliarden Euro Klimahilfen zu unterstützen.

Zu der umstrittenen Frage von Hilfen bei bereits entstandenen Klimaschäden sagte Zattler, dies sei „ein sehr sehr schwieriges Thema“, da klimabedingte Schäden und Verluste „nicht so leicht eingrenzbar“ seien. Für Überlegungen zu einem eigenen Hilfsfonds dafür sei es daher „zu früh“. Die Industrieländer seien aber „gut beraten“, sich in Glasgow „zumindest offen für eine ernsthafte Diskussion“ über Hilfen zur Bewältigung von Klimaschäden zu zeigen.

Die Industrieländer fürchten wegen ihrer Hauptverantwortung für den Klimawandel, für enorme Klimaschäden in Haftung genommen zu werden. Yamine Dagnet von der Klima-Denkfabrik World Ressources Institute bescheinigte ihnen eine regelrechte „Paranoia“ in dieser Frage. Die Entwicklungsländer dringen hingegen auf Hilfen in diesem Bereich.

Ein negatives Signal erreichte die Verhandler in Glasgow derweil aus Australien. Ressourcenminister Keith Pitt sagte dem Fernsehsender ABC, sein Land werde noch jahrzehntelang klimaschädliche Kohle fördern.

Quelle: AFP

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