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Skandalumwitterter Französischer Geschäftsmann Bernard Tapie gestorben

Copyright POOL/AFP Hendrik Schmidt

Der skandalumwitterte französische Geschäftsmann und einstige Adidas-Besitzer Bernard Tapie ist tot. Er starb am Sonntagmorgen in Paris im Alter von 78 Jahren an einer Krebserkrankung, wie seine Familie der Zeitung “La Provence” mitteilte. Tapie hatte einen bemerkenswerten Aufstieg als Schauspieler, Unternehmer und Politiker geschafft, bis ihn eine Reihe von Skandalen in den 1990er Jahren beinahe die Existenz gekostet hätten. In Deutschland war er vor allem als früherer Besitzer von Adidas bekannt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte Tapies “Ehrgeiz, Energie und Enthusiasmus”. In einer Erklärung des Elysée-Palastes hieß es: “Dieser Mann, der einen Kampfgeist hatte, der Berge versetzen und nach dem Mond greifen konnte, hat nie aufgegeben und bis zuletzt gegen den Krebs gekämpft”. Macron bezeichnete Tapie als “Quelle der Inspiration für Generationen von Franzosen”.

Tapie litt seit Jahren an Krebs. In den vergangenen Monaten hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert. Nach Angaben der Familie starb Tapie “friedlich” in seinem Haus in Paris, “umgeben von seiner Frau, seinen Kindern, Enkelkindern und seinem Bruder”. Die Beisetzung soll demnach in seiner “Herzensstadt” Marseille in Südfrankreich stattfinden. Vor dem Haus legten Fans Blumen nieder.

Der aus einfachen Verhältnissen stammende Tapie hatte seine schillernde Karriere als einfacher Fernseherverkäufer begonnen. In den 70er und 80er Jahren baute er durch den Kauf und Verkauf von in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen ein wahres Firmenimperium auf. Daneben wirkte er als Moderator, Schauspieler und Sänger, Sportfunktionär und Politiker. Er wurde Abgeordneter in Frankreich und dem EU-Parlament und unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand 1992 zwei Monate lang Städtebauminister. Dann stolperte er jedoch über mehrere Skandale.

In Deutschland ist insbesondere die Adidas-Affäre in Erinnerung: 1990 kaufte Tapie die Mehrheit am Sportartikelhersteller. 1993 verkaufte er seine Anteile an die damals staatliche Bank Crédit Lyonnais. Als diese die Beteiligung mit großem Gewinn weiterverkaufte, fühlte sich der zu dem Zeitpunkt in der Privatinsolvenz befindliche Geschäftsmann betrogen und zog vor Gericht. 2008 bekam er von einem privaten Schiedsgerichts gut 400 Millionen Euro Schadenersatz vom Staat zugesprochen. 

Das Urteil löste allerdings einen politischen Skandal aus. Der Verdacht stand im Raum, dass die damalige Wirtschaftsministerin und heutige Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, im Auftrag des damaligen konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy keine Rechtsmittel eingelegt hatte. Tapie hatte Sarkozy vor seinem Wahlsieg 2007 unterstützt. Lagarde wurde 2016 wegen Beihilfe zur Veruntreuung von Staatsgeldern schuldig gesprochen, ging aber straffrei aus. 

Die juristische Aufarbeitung der Affäre dauert an: Für Mittwoch war in einem Berufungsverfahren ein Urteil gegen Tapie wegen des Vorwurfs der Beihilfe zum Betrug und Veruntreuung erwartet worden.

Auch im französischen Sport hatte Tapie großen Einfluss. Anfang der 80er Jahre übernahm er ein Radsportteam, das zweimal die berühmte Tour de France gewann. 1986 kaufte Tapie dann den damals strauchelnden Fußballclub Olympique de Marseille, den er zu fünf aufeinanderfolgenden Meisterschaften und einem Sieg der Champions League 1993 führte. Tapie holte Franz Beckenbauer als Technischen Direktor und Rudi Völler als Spieler.

Allerdings hatte er im Vorfeld des Champions-League-Triumphs ein Spiel gekauft. Wegen der Schmiergeldaffäre wurde Olympique die Meisterschaft aberkannt und der Verein musste zwangsabsteigen. Tapie wurde Ende 1995 zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. 

Bei Olympique-Fans war Tapie indes bis zuletzt beliebt, sie nannten ihn “Boss”. Vor dem Stadion versammelten sich nach der Nachricht seines Todes eine Reihe von Unterstützern. Der Verein schrieb auf Twitter, dass der langjährige Präsident “eine große Lücke in den Marseiller Herzen hinterlassen” wird.

Quelle: AFP

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