in

Polizeischutz für Familie von mutmaßlichem Vergewaltigungsopfer in Indien

Copyright AFP/Archiv Mladen ANTONOV

Nach dem Tod einer 19-Jährigen in Indien infolge einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung sind ihre Hinterbliebenen unter Polizeischutz gestellt worden. Die Staatsmacht müsse sicherstellen, “dass in keiner Weise irgendein Zwang, Einfluss oder Druck auf die Familienmitglieder der Verstorbenen ausgeübt” werde, entschied am Donnerstag ein Gericht im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Hunderte Beamte postierten sich daraufhin rund um das Haus der Familie. 

Der Bruder des Vergewaltigungsopfers sagte allerdings, seine Familie sei mehr in Gefahr denn je. “Wir sind nicht sicher in diesem Dorf”, sagte er im indischen Fernsehen. “Sie können uns alles antun. Wir trauen der Polizei und der Regierung nicht.” Der Bruder fügte mit Blick auf Leugner des Verbrechens hinzu, seine Familie sei nun “mehr als jemals zuvor auf ihrem Radar”.

In dem Dorf Bool Garhi war Mitte September die 19-Jährige von mutmaßlich vier Männern so brutal vergewaltigt worden, dass sie am Dienstag in einem Krankenhaus in Neu Delhi ihren schweren Verletzungen erlag. Die junge Frau gehörte der niedrigsten Kaste der Dalit an. Früher wurden Angehörige dieser Gruppe in Indien die “Unberührbaren” genannt, vielen Hindus gelten sie bis heute als “unrein”.

Vier Verdächtige im Alter zwischen 20 und 30 Jahren wurden inzwischen festgenommen. Bei einem von ihnen soll es sich laut einem Zeitungsbericht um den Sohn einer wohlhabenden Grundbesitzer-Familie handeln, der immer wieder Frauen belästige. 

Die örtliche Polizei soll die Ermittlungen Berichten zufolge tagelang verschleppt haben. Für weitere Empörung sorgten Berichte, wonach die Polizei die Leiche des 19-jährigen Opfers mitten in der Nacht heimlich und gegen den ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen einäschern ließ. 

Die Polizei erklärte aber, die nächtliche Einäscherung habe Unruhen vermeiden sollen. Das Gericht setzte zu den Vorwürfen für den 12. Oktober eine Befragung von Polizeivertretern und Angehörigen der 19-Jährigen an.

Am Donnerstag erklärte die örtliche Polizei, eine forensische Untersuchung habe ergeben, dass die 19-Jährige nicht vergewaltigt worden sei. Die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen hätten vielmehr “die Verschwörung derjenigen aufgedeckt, die versucht haben, den Staat in Kasten-Unruhen zu stürzen”. 

Damit widersprachen die Ermittler Aussagen der 19-Jährigen, ihrer Mutter und des behandelnden Krankenhauses in Neu Delhi. Experten zufolge wurde die von der Polizei angeführte Untersuchung erst acht Tage nach der mutmaßlichen Tat und damit viel zu spät vorgenommen.

Aktivisten: 28 pro-türkische syrische Kämpfer in Berg-Karabach getötet

Madrids Regionalregierung geht gerichtlich gegen Corona-Lockdown vor