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Polizei in Thailand setzt Wasserwerfer gegen hunderte Demonstranten ein

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In Thailand hat die Polizei am Freitag Wasserwerfer gegen hunderte regierungskritische Demonstranten eingesetzt, die erneut trotz eines Versammlungsverbots auf die Straße gingen. Nach Angaben eines Krankenhauses in Bangkok wurden bei den Zusammenstößen in der Hauptstadt mindestens vier Polizisten und ein Demonstrant verletzt. Rund 2000 überwiegend junge Menschen forderten die Freilassung ihrer Mitstreiter und beschimpften Regierungschef Prayut Chan-O-Cha.

Nachdem die Polizei einen ursprünglich für die Kundgebung vorgesehenen Platz in Bangkok abgesperrt hatte, wichen die Aktivisten in ein Einkaufsviertel der Stadt aus. Hunderte Polizisten gingen dort mit Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. 

Einige Demonstranten spannten ihre Regenschirme auf, um sich vor dem blau gefärbten Wasser zu schützen. Zudem blockierten Demonstranten mit provisorischen Barrikaden eine Straße und riefen den Beamten „Verschwindet!“ zu. Dazu sangen sie die Nationalhymne Thailands.

Am Freitag forderte Regierungschef Prayut die Demonstranten auf, „nicht gegen das Gesetz zu verstoßen“. Am Abend gelang es der Polizei zunächst, die Demonstranten auseinanderzutreiben. Viele kündigten jedoch an, auf die Straße zurückzukehren.

Die von jungen Menschen angeführte pro-demokratische Protestbewegung fordert den Rücktritt der Regierung und eine offene Debatte über die Rolle der Monarchie in Thailand. „Die jüngere Generation steht nicht länger für den Status quo“, sagte der 20-jährige Designstudent Pim der Nachrichtenagentur AFP. „Die Armen werden immer ärmer und die Reichen immer reicher. Die Kluft wird immer größer.“

Die 21-jährige Nine kritisierte das Vorgehen der Behörden gegen die Demonstranten. Die Anwendung von Gewalt werde „die Zahl der Demonstranten erhöhen“, sagte die Studentin. Sie fügte hinzu: „Wut hat sich im Inneren aufgestaut.“

Für Empörung sorgten zudem die Festnahmen von zwei Aktivisten der Demokratiebewegung. Die Polizei berief sich bei den Festnahmen auf ein selten angewandtes Gesetz zum Schutz der Königsfamilie. Nach Polizeiangaben befindet sich Ekachai Hongkangwan seit Freitag in Gewahrsam. Bunkueanun Paothong hatte sich nach eigenen Angaben freiwillig den Behörden gestellt. 

Ihnen droht lebenslange Haft gemäß dem seit Jahrzehnten nicht mehr angewandten Gesetz, das „Gewaltakte gegen die Königin oder ihre Freiheit“ verbietet. Es ist das erste Mal, dass so schwerwiegende Vorwürfe gegen Demokratie-Aktivisten erhoben werden. Bislang waren Demonstranten nur wegen geringerer Vergehen wie Aufruhr und Verstoß gegen die Corona-Regeln belangt worden.

Am Donnerstag hatte Regierungschef Prayut den Ausnahmezustand erklärt, wodurch Versammlungen von mehr als vier Menschen verboten wurden. Rund 10.000 Regierungskritiker ignorierten die Maßnahme aber und demonstrierten bis spät in die Nacht in Bangkok. 

Am Donnerstagabend gab auch der Aktivist Anon Numpa seine Festnahme bekannt. Seinen Angaben zufolge brachte die Polizei ihn mit einem Helikopter in die Stadt Chiang Mai. Wie sein Anwalt der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, befindet sich Numpa weiterhin in Haft. Eine Freilassung auf Kaution sei ihm verwehrt worden.

Die Oppositionspartei Pheu Thai stellte sich zuletzt hinter die Demonstranten. Sie forderte die Regierung auf, den verhängten Ausnahmezustand aufzuheben, die Demonstranten in Frieden zu lassen und die Inhaftierten freizulassen.

In der jüngeren thailändischen Vergangenheit hat es eine ganze Reihe von Militärputschen gegeben, der jüngste fand 2014 statt. Aus einer von Betrugsvorwürfen überschatteten Parlamentswahl ging dann im vergangenen Jahr der frühere Armeechef Prayut als Sieger hervor.

© Agence France-Presse




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