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Militär in Guinea putscht gegen Regierung und nimmt Präsidenten gefangen

Copyright AFP/Archiv Ina FASSBENDER

Im westafrikanischen Guinea haben Teile des Militärs gegen die Regierung geputscht und nach eigenen Angaben Präsident Alpha Condé gefangen genommen. Spezialkräfte der Armee hätten die Regierung “aufgelöst”, hieß es in einem Video der Putschisten, das der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag zuging. Der Putsch wurde international verurteilt.

In dem Video hieß es weiter, die Verfassung des Landes sei außer Kraft gesetzt. “Wir haben auch beschlossen, die Regierung abzusetzen und die Grenzen zu schließen”, sagte der Chef der Spezialkräfte, Oberstleutnant Mamady Doumbouya darin. Später wurde Doumbouyas Erklärung auch im Staatsfernsehen gezeigt, wo er in eine guineische Flagge gehüllt die “Misswirtschaft” der alten Regierung anprangerte.

Am Abend wurde in den Fernsehnachrichten eine Ausgangssperre verkündet. Die Minister der Regierung sollten demnach abgesetzt und die Chefs der regionalen Verwaltung durch Militärs ersetzt werden. Beamte wurden dazu aufgerufen, am Montag zur Arbeit zurückzukehren. Die abgesetzten Minister und Präsidenten der verschiedenen Regierungsinstitutionen sollten am Montagvormittag zu einer Sitzung kommen – sonst würden sie sich der “Rebellion” schuldig machen.

In einem Video ist Präsident Condé in der Gewalt der Putschisten zu sehen. Das Staatsoberhaupt – in Jeans und Hemd auf einem Sofa sitzend – weigert sich darin auf die Frage der Putschisten zu antworten, ob er misshandelt worden sei.

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte “jegliche Übernahme der Regierung durch Waffengewalt”. Er fordere die sofortige Freilassung des Präsidenten. Die Afrikanische Union und die Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten (Ecowas) schlossen sich den Forderungen an. Auch Frankreich und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrel verurteilten den Putsch.

Aus der Hauptstadt Conakry waren am frühen Sonntagmorgen Schusswechsel gemeldet worden. Das Militär war vor allem auf den Straßen der Halbinsel Kaloum zu sehen, wo sich das Präsidialamt und zahlreiche Regierungsinstitutionen des westafrikanischen Landes befinden, wie ein AFP-Reporter berichtete.

“Ich habe eine Kolonne von Militärfahrzeugen mit Soldaten gesehen, die in die Luft schossen und militärische Parolen riefen”, sagte eine Bewohnerin Conakrys AFP. “Die Soldaten waren alle vermummt.”

Anfangs hatte es aus dem Verteidigungsministerium noch geheißen, dass die Präsidentengarde die Angreifer zurückgedrängt hätte. Später am Tag gingen dann viele Einwohner in der Hauptstadt auf die Straße, um die Soldaten der putschenden Spezialeinheit zu bejubeln. Offizielle Berichte über Todesopfer gab es am Sonntag nicht, auf Bildern waren allerdings Leichen in der Stadt zu sehen.

“Wir sind stolz auf die Spezialeinheit”, rief ein Demonstrant und fügte an: “Tod den Folterern und Mördern unserer Jugend”. 

“Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Alpha Condé zu meinen Lebzeiten die Macht abgeben würde, so sehr hat er mir geschadet”, sagte Madiaou Sow. Der Fahrer macht den Präsidenten für den Tod seiner Schwester, seines Neffen und seines Cousins bei Protesten gegen die Regierung verantwortlich.

Condé hatte vergangenes Jahr eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die ihm eine dritte Amtszeit ermöglichte. Im Oktober wurde der heute 83-Jährige zum Sieger der von Gewalt begleiteten, umstrittenen Wahl erklärt, was zu Massenprotesten führte. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften wurden damals dutzende Menschen getötet.

Oberstleutnant Doumbouya versprach nun im Fernsehen “eine nationale Konsultation einzuleiten, um einen umfassenden und friedlichen Übergang zu ermöglichen”. Er sagte: “Wir werden gemeinsam eine neue Verfassung schreiben, dieses Mal für ganz Guinea”. 

Die wichtigsten Anführer der Opposition in dem Land wollten sich auf AFP-Anfrage nicht dazu äußern.

Nach Jahrzehnten der Diktatur war Condé 2010 der erste demokratisch gewählte Präsident Guineas. Menschenrechtsaktivisten kritisierten jedoch den zunehmend autoritären Führungsstils des Staatsoberhauptes. Condé hingegen rühmt sich, die Menschenrechte vorangebracht und das Land wieder aufgebaut zu haben.

Quelle: AFP

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