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Merkel wirbt nachdrücklich für mehr Corona-Impfungen

Copyright POOL/AFP HANNIBAL HANSCHKE

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre Sommer-Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin für einen eindringlichen Appell für mehr Impfungen gegen das Coronavirus genutzt. „Je mehr Menschen geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein“, sagte die Kanzlerin. Das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärte unterdessen, für den Herbst und Winter in Deutschland noch einmal einen Anstieg der Corona-Infektionszahlen zu erwarten. 

Merkel warnte ebenfalls vor einer erneuten Verschlechterung der Lage angesichts der wieder exponentiell wachsenden Infektionszahlen. Auch diejenigen, die noch zögerten, sollten bedenken: „Jede Impfung ist ein kleiner Schritt zu mehr Schutz für alle“, sagte Merkel weiter. Daher sollten auch alle, die bereits überzeugt und geimpft sind, in Familien- und Freundeskreis oder am Arbeitsplatz für mehr Impfschutz werben.

Aktuell steigt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen weiter. Am Donnerstagmorgen meldete das RKI, dass sie jetzt bei 12,2 liege. Eine Woche zuvor hatte sie noch 8,0 betragen. Laut RKI wurden binnen 24 Stunden 1890 Corona-Neuinfektionen sowie 42 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus registriert. 

Die wieder starke Zunahme der Infektionen, deren Zahl sich regelmäßig verdoppelt, bezeichnete Merkel als „dramatisch“. Daher müssten Vorsichtsmaßnahmen unbedingt weiterhin und auch wieder verstärkt eingehalten werden. „Regelmäßiges Testen muss und wird auch wieder verstärkt eine Rolle spielen“, sagte die Kanzlerin. 

Immerhin trage das Impfen bereits jetzt dazu bei, auch höhere Inzidenzen besser zu bewältigen, ohne dass das Gesundheitssystem überlastet werde, denn „Menschen werden vor einem schweren oder tödlichen Verlauf gut geschützt“. Zu den Konsequenzen, die sich daraus ergeben, werde nun zunächst das RKI Szenarien entwickeln und dann die Politik über das weitere Handeln beraten.

Das RKI empfahl am Donnerstag, dass die Basis-Schutzmaßnahmen bis zum Frühjahr eingehalten werden sollten: Vor allem wenn gefährdete Menschen dabei seien, sollte in Innenräumen wie beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr weiter Maske getragen, Abstand gehalten, gelüftet und auf Hygiene geachtet sowie die Corona-Warn-App genutzt werden. 

Die „aktuell entspannte Infektionslage“ solle genutzt werden, um präventive Maßnahmen für den Herbst und Winter vorzubereiten, hieß es weiter, so dass „die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe, Todesfälle und die Belastung für das Gesundheitswesen klein gehalten und bevölkerungsbezogene Maßnahmen minimiert werden können“.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach zeigte sich derweil gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe „sorgenvoll“ angesichts neuer Daten zur Delta-Variante, wonach diese nicht nur ansteckender, sondern auch tödlicher ist. „Die ursprüngliche Hoffnung, dass die Delta-Variante zwar ansteckender sei, aber leichter verlaufe, hat sich leider nicht bestätigt“, sagte er. Auch mit einem leichten Verlauf für Kinder sei nicht zu rechnen. „Obwohl wir dort keine oder nur sehr wenige Todesfälle erwarten müssen, wird es viele auch schwere Verläufe geben, deren Endergebnis Long Covid auch für Kinder sein kann.“

CDU-Fraktionsvize Carsten Linnemann kritisierte den Fokus auf Inzidenzwerte. „Die Inzidenz von heute hat eine ganz andere Aussagekraft als die Inzidenz vor einem Jahr“, sagte der Bundestagsabgeordnete in der RTL/ntv-Sendung „Frühstart“. Die Bundesregierung müsse den Sommer nutzen, um gemeinsam mit dem RKI eine neue Formel zu erstellen. 

Quelle: AFP

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