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Literaturnobelpreis geht überraschend an US-Lyrikerin Louise Glück

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Der diesjährige Literaturnobelpreis geht völlig überraschend an die US-Lyrikerin Louise Glück. Es solle damit die „unverwechselbare poetische Stimme“ der 77-Jährigen gewürdigt werden, erklärte am Donnerstag das Nobelkomitee in Stockholm.  Mit ihrem literarischen Schaffen mache die US-Autorin die individuelle Existenz zu einer universellen Erfahrung. Ebenso wie viele Experten reagierte Glück völlig überrascht: Sie habe niemals mit dem Preis gerechnet, sagte die Lyrikerin.

Glück begann mit ihrem lyrischen Werk Ende der 60er Jahre. Im Laufe ihrer langen Karriere wurde sie mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter 1993 mit dem Pulitzer-Preis für ihre Gedicht-Sammlung „Wild Iris“ (Wilde Iris). Zu den zentralen Themen ihrer Gedichte zählen Kindheit und das Familienleben, die nicht immer harmonischen und manchmal sogar fatalen Beziehungen zwischen Eltern und Geschwistern. 

Die Akademie würdigte nach eigenen Angaben, wie sich Glück bei ihrer Suche nach dem „Allgemeingültigen“ von „Mythen und klassischen Motiven“ inspirieren lasse. Als Beispiel nannte sie den 2006 erschienenen Gedichtband „Averno“ – eine Neubeschreibung des antiken Persephone-Mythos, mit der die 1943 in New York geborene Lyrikerin ihre essentiellen Themen wie Abschied und Rückkehr, Schönheit, Natur oder die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Liebe verarbeitet. „Averno“ und „Wilde Iris“ sind auch auf Deutsch erschienen.

Die Englisch-Professorin an der Universität von Yale ist die 16. Frau, die den Literaturnobelpreis erhält. Das Preisgeld beträgt zehn Millionen schwedische Kronen (etwa 950.000 Euro). 

Die Spekulationen, wen die Schwedische Akademie dieses Jahr nominiert, waren zuvor heißgelaufen. Die Vergabe des Preises 2016 an die US-Rocklegende Bob Dylan war umstritten, 2018 gab es wegen eines Skandals um sexuellen Missbrauch im Kreis der Akademie gar keinen Preis – erst ein Jahr später ging er nachträglich an die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk. Die Verleihung an den Österreicher Peter Handke vergangenes Jahr löste wegen dessen pro-serbischer Haltung während der Balkankriege eine heftige Kontroverse aus.

Allgemein war nun mit einer weniger umstrittenen Entscheidung gerechnet worden. Hoffnungen, die Akademie könnte einen auch einem größeren Publikum bekannten Autoren wie Margaret Atwood, Haruki Murakami oder gar John le Carré auszeichnen, erfüllten sich aber wieder nicht. 

„Die Akademie hat alle viele, viele Male überrascht. Ihre Arbeitsweise ist mysteriös“, sagte die Literaturkritikerin beim „Svenska Dagbladet“, Madelaine Levy, der Nachrichtenagentur AFP. „Wenn man auf all den Preisgeldern sitzt, die es zu vergeben gibt, und all diese Aufmerksamkeit“, dann sei die Idee durchaus verführerisch, das jemandem zugute kommen zu lassen, „der nicht bereits im Rampenlicht steht“.

Auch Glück wurde nach eigenen Angaben völlig überrascht. „Also, ich bin eine weiße amerikanische Lyrikerin“, sagte sie der schwedischen Nachrichtenagentur TT offenbar mit Blick auf die aktuellen Diversitätsdebatten auch bei Preisverleihungen. „Ich habe gedacht, ok, vielleicht in einem anderen Jahrhundert – aber niemals jetzt.“

Der Preis für Literatur ist der vierte in dieser Woche vergebene Nobelpreis. Am Freitag wird der Friedensnobelpreis vergeben und am Montag die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften. Wegen der Corona-Pandemie wurde die traditionelle Preisverleihung im Dezember in Stockholm vorsichtshalber abgesagt – nur die Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo soll wie üblich stattfinden, allerdings in kleinerem Rahmen.

© Agence France-Presse




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