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Kontroverse zu Impfungen von Kindern und Jugendlichen

Copyright AFP Ina FASSBENDER

Im Vorfeld des Bund-Länder-Gipfels am Donnerstag ist eine Kontroverse zur Impfung von Kindern und Jugendlichen entbrannt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach sich für ihre Einbeziehung in die Impfkampagne aus – auch dann, wenn keine entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) vorliege. Er stieß damit aber auf Widerspruch. Ein Mitglied der Stiko sagte, er halte eine allgemeine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche für unwahrscheinlich.

Eltern und ihre Kinder sollten gemeinsam mit ihren Ärzten eine individuelle Entscheidung treffen, sagte Spahn am Mittwoch in der Sendung „Frühstart“ der Sender RTL und ntv. Der Minister verwies zugleich darauf, dass ein Vakzin bei einer positiven Entscheidung durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA für Jugendlichen ab zwölf Jahren für diese dann auch völlig regulär zugelassen wäre. Die EMA will ihre Entscheidung am Freitag bekannt geben.

Auch die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, befürwortete ein Impfangebot für Kinder und Jugendliche. „Das stärkste Argument, Zwölf- bis 15-Jährige zu impfen, ist einfach, dass sie auch selbst natürlich einen Schutz haben möchten“, sagte Buyx am Mittwoch dem Sender NDR Info. 

Die Stiko berät derzeit über eine eigene Empfehlung. Stiko-Mitglied Rüdiger von Kries äußerte sich im RBB skeptisch zu einer allgemeinen Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche. Grund dafür sei das unklare Risiko einer Corona-Impfung bei Kindern. Momentan sei „nichts“ über die Nebenwirkungen von Corona-Impfungen bei Kindern bekannt, sagte von Kries. 

„Bei unklarem Risiko kann ich zur Zeit noch nicht vorhersehen, dass es eine Impfempfehlung für eine generelle Impfung geben wird“, sagte er weiter. Die Stiko sei „ein autonomes Organ, wir arbeiten nicht auf Zuruf des Ministeriums, wir treffen unsere Entscheidungen nach Bewertungen der Risiken und des Nutzens“.

Auch Weltärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery wandte sich in den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Mittwoch dagegen, Minderjährigen eine Corona-Impfung zu empfehlen. Gegenwärtig gebe es noch zu wenig Daten, die Aussagen über das Risiko zuließen, sagte Montgomery. Es sei aber bekannt, dass der Krankheitsverlauf bei Kindern deutlich geringer und weniger gefährlich sei als bei Erwachsenen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz äußerte sich empört über Spahns Plädoyer für Kinder-Impfungen. Spahn wolle die Empfehlungen der Stiko ignorieren, „damit demontiert er eine viel beachtete Institution der Impfkampagne“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Bei der Vergabe von Vakzinen müssten wissenschaftliche Fakten gelten. 

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) plädierte, dafür, die Stiko-Festlegung abzuwarten. „Die wissenschaftlichen Fragen sind noch nicht schlüssig beantwortet“, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerkes Deutschland.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet kündige an, sein Land werde sich an die Empfehlungen der Stiko halten. Ob und wann Schülern ein Impfangebot gemacht werden könne, sei eine fachliche Frage, über welche die Gesundheitsminister und Chefs der Staatskanzleien beraten würden, sagte er beim Besuch eines Impfzentrums in Düsseldorf.

Bei dem für Donnerstag anberaumtem Gipfelgespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Länderregierungschefs wird es neben den Impfungen für Kinder und Jugendliche auch um mögliche Auffrischungen gehen, wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte. 

Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) bekräftigte unterdessen, dass es keine Impfpflicht geben soll. „Unsere Zusage gilt: Es wird keine Impfpflicht gegen Corona geben –  nicht für Erwachsene und auch nicht für Kinder und Jugendliche“, erklärte sie in Berlin.

Quelle: AFP

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