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Italiener genießen Ende der strikten Ausgangssperre!

Foto: AFP

Ein Espresso zum Mitnehmen, gefolgt von einem Spaziergang in den wieder geöffneten Parks oder einem Besuch bei Verwandten: Nach acht Wochen Eingesperrtsein haben die Menschen in Rom und ganz Italien am Montag das Ende der strikten Ausgangssperre in vollen Zügen genossen. Weitere Länder in Europa lockerten ebenfalls erstmals ihre Corona-Beschränkungen. Viele Vorsichtsmaßnahmen bleiben aber bestehen.

Er freue sich auf die neuen kleinen Freiheiten, darauf, mit seinem Cousin die Geburtstagskerzen seines Sohns auszublasen und seine Eltern wiederzusehen, sagte der 40-jährige Stefano Milano. Allerdings sorge er sich auch ein wenig, dass seine Eltern schon alt und sein Schwiegervater zudem krebskrank sei, fügte er hinzu.

Nach den Spaniern dürfen seit Montag auch die 60 Millionen Italiener wieder zum Spazierengehen und Sport nach draußen und auch ihre Verwandten wieder besuchen. Restaurants dürfen Essen zum Abholen verkaufen und weitere Geschäfte öffnen. Gleichzeitig nahmen Industrie und Bauwirtschaft den Betrieb wieder auf. 

Allerdings bleiben viele Einschränkungen bestehen: So darf niemand seine Heimatprovinz verlassen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln herrscht Maskenpflicht, und auch die Abstandsregeln müssen weiter eingehalten werden. Darüberhinaus hat jede der 20 Regionen eigene Regeln erlassen. Und die Schulen bleiben bis September geschlossen. 

In dem Land, das mit fast 29.000 Toten die höchste Opferzahl in Europa zu beklagen hat, hatte Regierungschef Giuseppe Conte bereits am Abend des 9. März die landesweite Ausgangssperre verkündet.

In Spanien, das wenige Tage nach Italien dichtmachte, wurde die Ausgangssperre bereits am Samstag gelockert. Seit Montag sind auch wieder kleinere Läden wie etwa Friseursalons unter Auflagen geöffnet. Cafés und Restaurants dürfen Essen zum Mitnehmen verkaufen. Auf einigen Inseln der Balearen und der Kanaren ist bereits ein Großteil der Geschäfte, Museen und Restaurant-Terrassen sowie viele Hotels geöffnet – unter strikten Vorsichtsmaßnahmen.

Im ganzen Land herrscht zudem nun in Bussen und Bahnen Maskenpflicht, ebenso wie in den Geschäften. Das wie Italien schwer gebeutelte Spanien atmet vorsichtig auf: Wie schon am Vortag wurden nur noch 164 neue Todesfälle gemeldet. Die Zahl der Toten liegt nun bei insgesamt rund 25.500. “Wie haben alle noch Angst, auch davor, unsere Arbeit zu verlieren”, sagte Cristina Jimenez beim Verlassen einer U-Bahn-Station in Madrid. “Aber das Wichtigste ist, dass es uns allen gut geht”.

In Österreich kehrten nach sieben Wochen die Schüler der Abitur- und berufsbildenden Abschlussklassen in ihre Schulen zurück. Für alle anderen beginnt der Unterricht allerdings erst später. 

Auch Belgien und Portugal begannen, ihre vor Wochen verhängten Beschränkungen vorsichtig wieder zu lockern. Am Vortag hatte Portugal, das mit etwas mehr als tausend Toten bislang weniger stark betroffen ist als viele anderen Länder, zudem den am 19. März ausgerufenen nationalen Notstand wieder aufgehoben. 

In Belgien durften Unternehmen, die keine Privatkunden haben, wieder öffnen, und auch Busse und U-Bahnen sind mit Auflagen wieder im Betrieb. Doch angesichts der weltweit höchsten Corona-Sterberate wagten sich zunächst nur wenige Menschen auf die Straßen.

Auch in Polen, Ungarn und den Balkanstaaten wurden die Beschränkungen gelockert, ebenso wie in Island, Griechenland und Zypern. Wie in den meisten Ländern sollen weitere schrittweise Lockerungen folgen. “Das ist ein Marathon und kein Sprint”, sagte auch die Leiterin des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC), Andrea Ammon, am Montag vor dem Europaparlament. Vorerst werde es deshalb “kein Zurück zur Normalität” geben. 

Mit laut einer AFP-Zählung insgesamt knapp 144.000 Toten ist Europa nach wie vor der am schwersten getroffene Kontinent, gefolgt von Nordamerika mit rund 71.500 Todesfällen. Weltweit starben demnach bereits mindestens 247.503 Menschen an den Folgen der Virusinfektion.

ans/bfi

© Agence France-Presse

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