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Französischer Staat erwirbt wichtigstes Werk des Marquis de Sade

Copyright AFP/Archiv Martin BUREAU

Der bekannte Erotikroman „Die 120 Tage von Sodom“ des Marquis de Sade gehört nun dem französischen Staat. Finanziert durch den ehemaligen Banker Emmanuel Boussard kaufte die Regierung das Werk aus dem Jahr 1785 für 4,55 Millionen Euro, wie das Kulturministerium am Freitag mitteilte. De Sades wichtigster Text soll in die Bibliothèque de l’Arsenal in Paris aufgenommen werden, die bereits eine bemerkenswerte Sammlung von Werken des 18. Jahrhunderts beherbergt.

Donatien Alphonse François de Sade (1740-1814), der Namensgeber des „Sadismus“, verfasste den Text „Die 120 Tage von Sodom oder die Schule der Libertinage“ im Jahr 1785 während seiner Gefangenschaft in der Pariser Bastille. Der Roman beschreibt die sadistischen Sexualpraktiken von vier reichen Franzosen, die ihre meist noch sehr jungen Opfer vergewaltigen, foltern und auch töten. 

De Sade selbst glaubte, dass das Werk den Sturm auf die Bastille 1789 nicht überlebt hatte. Tatsächlich wurde es jedoch von dem Revolutionär Arnoux de Saint-Maximim in Sicherheit gebracht und wechselte mehrfach den Besitzer. Unter anderem erwarb der deutsche Psychiater Iwan Bloch es und ermöglichte so 1904 die erste Veröffentlichung des Romans.

Zuletzt war es im Besitz des Geschäftsmanns Gérard Lhéritier, Gründer der Firma Aristophil, gegen die wegen Betrugs ermittelt wird. Die französische Regierung nutzte die Abwicklung des Unternehmens 2017, um das Manuskript als „Nationalschatz“ einzustufen. Um den Ankauf zu finanzieren, rief die Regierung Unternehmen zu einem „Sponsoring“ auf – mit Erfolg. Die Summe wurde vollständig von Boussard beigesteuert, dessen Großvater von 1943 bis 1964 Verwalter der Bibliothèque de l’Arsenal in Paris war.

Das Kulturministerium rühmte den Roman als „wahres Kulturdenkmal, ein bedeutender Text der Kritik und der Fantasie, aufrührerisch und nun ein Klassiker“, der zahlreiche Autoren tief geprägt habe. De Sade schrieb den Roman in einer extrem kleinen, kaum lesbaren Handschrift auf einer über zwölf Meter langen Schriftrolle nieder, die aus 33 aneinandergeklebten Blättern mit einer Breite von rund elf Zentimetern besteht. 

Quelle: AFP

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