Exklusiv-Interview mit Öl-Gigant Ernst Prost: „Soll ich Geld zu meinem Fetisch erheben?“

Ulm TV – Redaktion: Was sind Ihre Sorgen zur aktuellen Situation? Sehen Sie positiv in die Zukunft oder wird die Corona Krise langfristig Spuren hinterlassen?

Ernst Prost: Ich habe überhaupt keine Sorgen. Ich sehe nur Aufgaben und Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Natürlich ist es ein brutaler Schlag, den die ganze Welt zurzeit abbekommt. Aber mit Solidarität, intelligen- ten Konzepten und harter Arbeit werden wir es doch wohl gemeinsam schaffen, auch diese Krise zu überwinden. Da hat die Menschheit – und speziell auch Deutschland – schon ganz andere Probleme gelöst. Natürlich sehe ich positiv in die Zukunft, warum denn nicht? Im Gegensatz zu einem Krieg wurde doch nichts zerstört. Häuser, Fa- briken, Geschäfte – alles noch da. Wir müssen nur die Wirtschaft wieder ankurbeln. Investieren, produzieren und konsumieren. Auch das sollte gelingen, nachdem die öffentliche Hand jetzt sehr viel Geld in den Wirtschafts- kreislauf pumpt.

Ulm TV – Redaktion: 2010 gründeten Sie mit einem Stiftungskapital von 500.000 Euro aus Ihrem Privatvermögen die Ernst Prost Stiftung. 2015 als weiteres ge- meinnütziges Projekt, die Ernst Prost Foundation for Africa. 2016 und 2017 haben Sie 850 Mitarbeitern mit einer Siegesprämie von 11.000 Euro belohnt. Auch jetzt in der Corona Krise haben Sie der Belegschaft mit 1500 Euro für ihr Engagement gedankt und verzichten auf Ihr Gehalt. Woher kommt diese soziale Ader?

Ernst Prost: Soll ich vielleicht lieber unsozial sein? Soll ich darauf hinarbeiten, dass ich irgendwann der reichs- te Mann auf dem Friedhof bin? Soll ich Geld zu meinem Fetisch erheben? Soll ich geldgierig und vielleicht sogar noch habsüchtig und geizig werden? Das macht doch alles keinen Sinn. Es ist doch schön, wenn ich anderen Menschen helfen kann. Menschen, die in Not geraten sind, weil ihnen das Schicksal wirklich übel mitspielt. Da- für habe ich meine Stiftung gegründet und sie mit ausrei- chend Finanzkraft ausgestattet. Seit zwei Jahren arbei- te ich übrigens noch mit einer dritten Stiftung: Frieden für Menschen und Menschen für Frieden. Ich arbeite im Kuratorium der Stiftung Weltethos mit und versuche, zu- sammen mit meiner Frau Kerstin Thiele, die die Haupt- arbeit leistet, einfach nur Gutes zu tun und Sinnvolles zu leisten. Das hat aber nichts mit den Prämien für meine mittlerweile 1.000 Kolleginnen und Kollegen in der Firma zu tun. Da geht es um Dankbarkeit meinerseits, um Res- pekt und auch um eine finanzielle Anerkennung für her- ausragende Leistung. Unsere Erfolge sind das Ergebnis einer grandiosen Teamleistung.

Foto: Holger Karkheck

Ulm TV – Redaktion: Ihr Unternehmen ist in vielen Sport- arten als Sponsor vertreten. Teams wie die Los Ange- les Kings, Chicago Bulls, Eisbären Berlin und der TSV 1860 München tragen/trugen Ihr Logo auf der Brust. Sie waren Hauptsponsor der Vierschanzentournee, und unterstützen ratiopharm Ulm in der Basketball Bundes- liga. Seit der Saison 2019 Namenssponsor der Handball Bundesliga. Woher kommt die Liebe zum Sport?

Ernst Prost: Wir sponsern nicht, weil ich eine Liebe zum Sport habe. Diese Liebe habe ich als junger Mann beim Fußball spielen in der C-Klasse verspürt. Wir unterstützen auch keine Sportveranstaltungen mit unserem Geld. Un- sere Sponsoring-Aktivitäten sind, wie alle anderen Werbemaßnahmen unseres Hauses, allesamt darauf ausge- richtet, unseren Bekanntheitsgrad zu erhöhen, auf dass wir mehr Menschen erreichen, die schlussendlich unsere Produkte kaufen. Deshalb Formel 1, MotoGP, Winter- sport, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und nationale Veranstaltungen wie die Deutsche Handball Bundesliga oder in den USA Basketball. Wir machen 2/3 unseres Geschäftes außerhalb Deutschlands, in 150 Ländern dieser Erde. Deshalb arbeiten wir sehr gerne mit sogenannten local heroes zusammen, die in ihrem Land beliebt und bekannt sind. Oft genug machen wir auch ge- meinsam mit Geschäftsfreunden von uns im nationalen, regionalen und lokalen Bereich Werbung durch Sponso- ring. Wir wollen die Kunden da abholen, wo sie zu Hause sind, nämlich in der Heimat. Also: Von ganz oben, von weltweiten Veranstaltungen, bis ganz runter in die Stadt oder in das Dorf – möglichst in jedem Land der Welt – wollen wir mit unserer Marke präsent sein. Das ist Teil unseres globalen Marketingkonzeptes.

Ulm TV – Redaktion: Sind Sie mit Ihrem beruflichen Werdegang zufrieden oder würden Sie etwas anders machen?

Ernst Prost: Auch wenn ich was ändern wollen würde, könnte ich es nicht, weil es vorbei ist. Also ist diese Fra- ge obsolet und solchen Gedanken gebe ich mich auch gar nicht hin. Ich schaue lieber nach vorne, auf meine to-do-Liste, auf mein Arbeitsprogramm, versuche ne- benbei noch ein paar Visionen zu entwickeln und freue mich, dass ich noch lebe. Aber klar ist auch, dass ich allen Grund zu großer Dankbarkeit und Demut habe, dass mich das Schicksal und unser Herrgott auf solch einen Weg geschickt hat. Und diesem Umstand trage ich Rechnung durch meine nutzenstiftende Arbeit in der Fir- ma und mit meinen Stiftungen.

Ulm TV – Redaktion: Abschließend ein paar Worte aus Ihrer Sicht zur aktuellen Lage.

Ernst Prost: Wenn ich die aktuelle Lage in Deutschland mit der aktuellen Lage in allen anderen Ländern dieser Welt vergleiche, komme ich zu dem Schluss, dass es uns in unserem Lande noch ganz passabel geht. Durch mei- nen Job habe ich sehr viel Kontakt zu Menschen in an- deren Ländern. Alle beneiden uns. Um Demokratie, um Freiheit, um Rechtsstaatlichkeit und jetzt in dieser Zeit noch viel mehr um unser Gesundheitswesen, um unsere starke Wirtschaft, um unsere Gesellschafts-Strukturen, um unseren ausgeprägten Bürgersinn und um unsere stabile und soziale Gemeinschaft. Als ein Volk, das sich nicht nur in Krisen verantwortungsvoll, sozial und in gro- ßer Nächstenliebe um die Schwachen auf der Welt küm- mert. Ich möchte in keinem anderen Land dieser Welt leben und arbeiten. Und ich empfinde es als eine Gnade, in dieser Zeit in unserem Lande leben zu dürfen. Schloss Leipheim, in dem ich wohne, erzählt mir da so manche Geschichte über die angeblich so „gute alte Zeit“, die de- finitiv überhaupt nicht so gut war. Ja, ich glaube sogar, dass aus dieser Krise Gutes und Sinnvolles erwächst. Risiko-Vorbeugung für die nächste Epidemie, zum Bei- spiel, aber vor allem eine weitere Stärkung unseres Ge- meinschafts-Sinnes als eine zutiefst menschliche Gesell- schaft mit Werten und Idealen!

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