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Britischer Konzern Liberty legt Angebot für Stahlsparte von Thyssenkrupp vor

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Die Zukunft der Stahlsparte von Thyssenkrupp ist weiter ungewiss. Während Beschäftigte des kriselnden Industriekonzerns am Freitag für einen Staatseinstieg demonstrierten, legte die britische Liberty-Gruppe ein Übernahmeangebot für das Stahlgeschäft vor. Thyssenkrupp erklärte, dieses nun prüfen zu wollen – gleichzeitig soll es aber auch weiter Gespräche „mit anderen potentiellen Partnern“ geben. Die Gewerkschaft IG Metall sprach sich vehement gegen eine Übernahme aus dem Ausland aus. 

Liberty legte nach eigenen Angaben ein nicht bindendes Übernahmeangebot vor. Zugleich zeigte sich die Gruppe, die dem indisch-britischen Milliardär Sanjeev Gupta gehört, offen für „intensivere“ Gespräche mit dem in Essen ansässigen Konzern, den der Stahlbereich nicht erst seit der Corona-Krise vor erhebliche Probleme stellt – nicht zuletzt wegen Überkapazitäten auf dem Weltmarkt vor allem durch Konkurrenz aus China.

Die Höhe des Übernahmeangebots blieb zunächst unklar. Der Aktienkurs von Thyssenkrupp stieg am Freitag deutlich nach oben und notierte am frühen Nachmittag rund zwölf Prozent im Plus.

Thyssenkrupp bestätigte, dass der Konzern „ein indikatives Angebot für einen Erwerb des Stahlgeschäfts erhalten“ habe. „Dieses Angebot schauen wir uns jetzt sorgfältig an“, erklärte ein Sprecher. „Gleichzeitig werden wir die Gespräche mit anderen potentiellen Partnern in gleicher Weise wie bisher konsequent fortsetzen.“

Arbeitnehmervertreter hatten derweil für Freitag zu einer Kundgebung in Düsseldorf aufgerufen. Sie fordern eine staatliche Beteiligung an der Stahlsparte. „Thyssenkrupp Steel ist nicht irgendein Unternehmen, sondern für den Industriestandort Deutschland systemrelevant und sichert die Existenz von zehntausenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern“, erklärte Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssenkrupp. „Für eine sichere Zukunftsperspektive des Unternehmens und der Arbeitsplätze dort wird es ohne die Hilfe des Staates nicht gehen.“

Eine Übernahme aus dem Ausland sei dazu keine Alternative. Um die vielfältigen Probleme zu lösen, brauche die Stahlsparte „keinen neuen Eigentümer, sondern Kapital“, erklärte Kerner. „Insbesondere die Umstellung auf klimaneutrale Stahlproduktion erfordert Investitionen, die kein Unternehmen der Branche stemmen kann.“

Die Bundesregierung reagierte in der Frage eines möglichen Staatseinstiegs bei Thyssenkrupp zurückhaltend. Ein Specher von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verwies in Berlin darauf, dass dieser bereits Anfang Oktober gesagt habe, dass die Probleme der Stahlindustrie nicht in erster Linie mit Staatsbeteiligungen gelöst werden könnten, sondern „Wettbewerbsmodelle für die Zukunft“ nötig seien. Darüber werde nun „intensiv diskutiert“. 

Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte am Donnerstag einem Staatseinstieg vorerst eine Absage erteilt. Zuvor hatte die „Wirtschaftswoche“ von Gesprächen zwischen dem Unternehmen und der Bundesregierung über eine Staatsbeteiligung berichtet. Konzernchefin Martina Merz bezeichnete eine solche Beteiligung demnach als „eine Option“. 

Der „Spiegel“ berichtete, dass es zudem Gespräche von Thyssenkrupp mit SSAB aus Schweden und Tata Steel gebe. Mit Tata hatte Thyssenkrupp noch bis ins vergangene Jahr hinein Fusionspläne geschmiedet, um ein Gegengewicht zu Stahl aus China zu bilden. Im Juni 2019 untersagte die EU-Kommission diesen Zusammenschluss allerdings. 

Im September 2019 verlor Thyssenkrupp dann seinen seit mehr als 30 Jahren angestammten Platz im Deutschen Aktienindex (Dax). Im Februar verkaufte der Konzern seine lukrative Aufzugsparte für 17,2 Milliarden Euro, um sich finanziell Luft zu verschaffen. Produktionsrückgänge und Werksschließungen bei Kunden infolge der Corona-Pandemie hatten Thyssenkrupp zuletzt aber herbe Quartalsverluste beschert. 

Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht stellte sich hinter die Forderung der IG Metall nach einem Staatseinstieg in der Stahlsparte des Konzerns. Die Vorteile lägen „klar auf der Hand“, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. „Zehntausende Arbeitsplätze können gerettet werden, ökologisch sauberer Stahl wird machbar und eine Schlüsselindustrie bleibt erhalten“, erläuterte die frühere Fraktionschefin. Sie schlug dabei das Modell einer Industriestiftung mit Beteiligung von Beschäftigten, Gewerkschaft und Politik nach dem Vorbild der Rettung der saarländischen Stahlindustrie vor.

© Agence France-Presse




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