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Astrazeneca nur noch im Ausnahmefall für Menschen unter 60

Copyright AFP/Archiv Marco Bertorello

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca wird in Deutschland bis auf Einzelfälle nur noch für Menschen über 60 Jahren eingesetzt. Das beschloss die Gesundheitsministerkonferenz der Länder (GMK) am Dienstag auf eine entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) hin. Hintergrund sind Fälle von Hirnvenen-Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang zur Impfung vor allem bei jüngeren Frauen. 

Laut dem GMK-Beschluss wird der Astrazeneca-Impfstoff ab Mittwoch verwendet bei „Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben“. Jüngere Menschen in den Impfprioritätsgruppen eins und zwei könnten „gemeinsam mit dem impfenden Arzt nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung entscheiden, mit Astrazeneca geimpft werden zu wollen“, allerdings möglichst nur in Arztpraxen.

Zugleich kann das Produkt schon jetzt bei Menschen zwischen 60 und 70 Jahren eingesetzt werden, obwohl diese in der Regel erst in der dritten Impfgruppe sind. „Den Ländern steht es frei, bereits jetzt auch die 60- bis 69-Jährigen für diesen Impfstoff mit in ihre Impfkampagne einzubeziehen“, heißt es in dem Beschluss. „Dies gibt die Möglichkeit, diese besonders gefährdete und zahlenmäßig große Altersgruppe angesichts der wachsenden dritten Welle nun schneller zu impfen.“

Menschen unter 60 Jahren, die bereits ihre Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen haben, können laut Gesundheitsministerkonferenz wählen, ob sie auch die zweite Impfung mit diesem Produkt wünschen oder lieber abwarten, wie sich die Stiko zu einer Zeitimpfung mit einem anderen Produkt positioniert. Dazu will das Expertengremium sich bis Ende April äußern.

Die Stiko hatte zuvor eine neue Empfehlung zu Astrazeneca herausgegeben, wonach der Impfstoff nur noch für Menschen ab 60 verwendet werden soll. Sie verwies auf die „Daten zum Auftreten seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen“ bei jüngeren Geimpften. In zeitlichem Zusammenhang mit Astrazeneca-Impfungen waren mehrmals Blutgerinnsel in Hirnvenen, sogenannte Sinusvenenthrombosen, aufgetreten.

Der Erlanger Virologe Klaus Überla, Mitglied in der Stiko, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), die Daten sprächen „für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung von unter 55-jährigen Frauen mit Astrazeneca und dem Auftreten von Hirnvenen-Thrombosen bei diesen Frauen – auch wenn das seltene Ereignisse sind“. 

Auch bei Männern gebe es Fälle; dies müsse weiter geprüft werden. Zugleich betonte Überla: „In der Gruppe der über 60-Jährigen überwiegt das Covid-19-Risiko bei weitem das Risiko der Hirnvenen-Thrombosen.“

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek (CSU), riet Menschen, die mit Astrazeneca geimpft wurden, auf mögliche Hinweise auf eine Sinusvenenthrombose zu achten. Dazu gehörten anhaltende Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit und Beinschwellungen. „Sollte es dazu kommen, wenden Sie sich vorsichtshalber an Ihren Arzt.“

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, die staatlichen Empfehlungen zu Astrazeneca seien inzwischen „wie eine Fahrt mit der Achterbahn“. Erst sollten nur die unter 65-Jährigen, dann alle und jetzt nur die über 60-Jährigen den Impfstoff bekommen. 

Auch der Chef des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, kritisierte das „Hin und Her um den Impfstoff“. Dies sei ein „Kommunikationsdebakel“, sagte er den RND-Zeitungen. So werde „völlig unnötigerweise das Vertrauen in die Impfungen insgesamt unterminiert“. Die konkrete Entscheidung zur neuen Altersvorgabe bei Astrazeneca begrüßte Montgomery allerdings.

Die Impfungen mit Astrazeneca waren bereits Mitte März zwischenzeitlich ausgesetzt worden. Nach einer Prüfung auch auf europäischer Ebene wurden die Impfungen aber wieder aufgenommen. Wie das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mitteilte, starben bis Montagmittag neun Menschen in Deutschland nach einer Astrazeneca-Impfung durch eine Sinusvenenthrombose. Es seien bis dahin 31 Fälle einer solchen Thrombose mit zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet wurden.

Quelle: AFP

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